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Frühlingserwachen in der Toskana

© ddp

Frühlingserwachen in der Toskana

27.04.2005
Wenn Sonnenstrahlen die Haut verwöhnen, der würzige Duft von Pinien in die Nase steigt und ein samtiger Rotwein den Gaumen verwöhnt, dann kapitulieren auch die hartnäckigsten Reste deutscher Wintermüdigkeit vor dem Zauber der Toskana. Einen besonderen Genuss verspricht das Frühlingserwachen im südlichen Teil des Chianti-Gebiets. Das weitläufige Hügelland im Herzen der Toskana versetzt auch gestresste Gäste sogleich in einen wohligen Zustand innerer Ruhe. Erlesene kulinarische und kulturelle Genüsse aller Art tun ein übriges, den Aufenthalt in der Heimat eines der bekanntesten Weine der Welt zu einem Quell der Erholung werden zu lassen.

So beliebt das Chianti heute bei Besuchern aus aller Welt ist, so umkämpft war die Region im Mittelalter. Die mächtigen Stadtstaaten Florenz und Siena trugen ihre Rivalität in der zwischen ihnen liegenden Region aus. Zinnenbewehrte Burgen und Festungen zeugen noch heute von dem Konflikt, der Mitte des 16. Jahrhunderts zu Ungunsten Sienas ausging.

Dem Zauber der Stadt hat diese Niederlage nichts anhaben können und den kleinen Abstecher gen Süden sollte sich daher kein Gast des Chianti entgehen lassen. Im Herzen Sienas liegt die Piazza del Campo, die zu Recht als eine der schönsten Plätze des Landes gilt. Um sie herum baut sich ein Labyrinth mittelalterliche Gassen auf, die vom Geiste italienischer Lebensart durchweht werden.

Unzählige Geschäfte, Cafés und Restaurants erzeugen ein geschäftiges Treiben, dem halsbrecherischen Fahrstil so manch eines Vespafahrers entkommt man nur durch einen beherzten Sprung zur Seite. Aber schon hinter der nächsten Ecke wartet eine menschenleere Gasse, in der die Wappen an den Wänden der meist aus Backstein errichteten Häuser in Ruhe studiert werden können.

Wenige Kilometer vor den Toren Sienas erwartet den Besucher am westlichen Rand des Chianti das malerische Monteriggioni. In dem auf einem Hügel gelegenen und von einer abweisenden Ringmauer umschlossenen Dörfchen scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Das Zentrum der lediglich 45 Seelen zählenden Gemeinde bildet der Marktplatz, an dessen Rand Geschäfte, Hotels und Restaurants zum Verweilen einladen. Der beschauliche Dorfalltag wird lediglich Mitte Juli kurz unterbrochen. Dann nämlich beherbergt Monteriggioni eines der berühmtesten Mittelalterfeste Italiens, zu dem sich alle Bewohner des Dorfes in Gaukler und Bänkelsänger verwandeln.

Ebenfalls einen Besuch wert ist Castellina in Chianti, eines der wichtigsten Zentren des Chianti Classico. Der Ort bestand bereits zur Zeit der Etrusker und Römer, wovon unweit des Zentrums auch ein großes Etruskergrab aus dem sechsten Jahrhundert vor Christus zeugt. Bekannt ist Castellina heute jedoch vor allem als Weinort. In den zahlreichen Weinhandlungen kann der Liebhaber in die vielfältige Welt des edlen Rebenweins der Region eintauchen. Und selbst überzeugte Biertrinker lassen sich hier gern bekehren.

Mit etwas Glück führt den Besucher sein Streifzug durch Castellinas Altstadt auch in die Via Ferruccio Nummer 73. In dem kleinen Geschäft vertreibt das wenige Kilometer entfernte Weingut Dievole seine Erzeugnisse, darunter auch das hellgrüne, nach Heu duftende Olio di Oliva Extravergine.

Wer nach dieser Stippvisite Appetit auf mehr hat, kann Dievole auch persönlich einen Besuch abstatten. Wie viele andere Winzer in der Region, so hat auch der in der Schweiz aufgewachsene Gutsverwalter Mario Felice Schwenn "seine" Villa Dievole bei Vagliagli für Übernachtungsgäste geöffnet.

Vor Jahrhunderten kultivierten bereits Mitglieder des Florentiner Adels auf dem Gut die edlen Reben. Umgeben von Weinbergen, Olivenhainen und Pinienwäldern kann der Gast auf dem 400 Hektar großen Areal den romantischen Zauber des Chianti ganz hautnah auf sich wirken lassen. Oder ihn Wirklichkeit werden lassen: In der gutseigenen Kapelle hat sich schon so manches Paar das Ja-Wort gegeben.

Quelle (ddp)

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